Unter dem Titel "Transmissions" präsentiert die Stiftung CCFA Karlsruhe erstmals ausgewählte Filme aktueller Produktionen aus Frankreich: Dokumentarisches und Experimentelles, und vor allem Stimmen aus anderen geopolitischen Regionen, die sonst nicht zu Wort kommen oder oft überhört werden: Französisch- Guyana und die Komoren, Guinea- Bissau werden zum visuellen Handlungs- und Rechercheraum international renommierter und vielfach ausgezeichneter Filmemacher wie Filipa César.
In Kooperation mit der Kinemathek Karlsruhe sowie mit Espace Khiasma / Spectre Productions.
Das Filmprogramm kuratiert und präsentiert Olivier Marboeuf, Gründer und Leiter von Espace Khiasma & Spectre Productions, Paris-Les Lilas, Frankreich. Eine Diskussion nach dem Film ist vorgesehen.
Programm:
19.10.2017, 19 Uhr
"Koropa", Laura Henno – 2016 – Kurzfilm – 19 Min. – Shindzuani, Untertitel: Englisch
Hennos Erstlingswerk erzählt die Geschichte des Waisen Patron, einem Kind von den Komoren, das nachts Geflüchtete über das Meer nach Mayotte bringt. Die Kamera folgt dem Jungen, wie er die Tricks von seinem Ziehvater erlernt, um als minderjähriger Schlepper durch die Maschen der Polizei schlüpfen zu können. Preis des Internationalen Filmfestivals Clermont-Ferrand 2017
"Spell Reel", Filipa César – 2017 – Dokumentarfilm – 96 Min. – Portugiesisch, Kreolisch, Englisch, Französisch, Untertitel: Englisch
Césars preisgekrönter Film ist das Resultat eines umfangreichen Recherche- und Digitalisierungsprojektes in Zusammenarbeit mit Sana na N’Hada und Flora Gomes. Letztere haben durch ihre Kamera die Befreiungskämpfe in Guinea-Bissau (1963-74) dokumentiert. In Berlin wurde 2011 das historische, wie durch ein Wunder unzerstörte Audio- und Filmmaterial digitalisiert und archiviert. Dieses wichtige Dokument zeugt von der Entstehung des guineischen Kinos. Spell Reel schreibt dieses weiter. Gezeigt im Berlinale Forum 2017, im Filmprogramm der Art Basel sowie im Rahmen der Moma’s Screenings.
20.10.2017, 21:15 Uhr
"Foyer", Ismaïl Bahri – 2016 – Versuch – 32 Min. – Arabisch, Untertitel: Englisch
Foyer scheint auf den ersten Blick ein Film ohne Film zu sein – lediglich ein weißer Hintergrund pulsiert, begleitet von Stimmen, bis die Kamera-Linse schließlich ihren Fokus auf eine Ansammlung von Passanten in Tunis richtet. Diese – ein Hobby-Fotograf, ein Polizist oder eine Gruppe Jugendliche – nähern sich dem Kameramann und interagieren mit ihm, befragen ihn zu seiner Arbeit. Es entstehen zwanglose Gespräche, die sich zu einer tiefen Reflexion über die Natur des Kinos selbst sowie über die politische und soziale Landschaft entwickeln. Jurypreis des Internationalen Kurzfilm Festivals Hamburg 2017.
"Münster", Martin le Chevallier – 2016 – Kurzfilm – 48 Min. – Französisch, Untertitel: Deutsch
Le Chevalier versetzt uns ins Jahr 1534-35 und nimmt die kurze, historische Episode der Widertäufer in Holland und Norddeutschland zum Ausgangspunkt einer endzeitlichen Utopie, die für die einen realsozialistische Züge, für die anderen jene einer Tyrannis aufweist. Le Chevaliers Film, erstmals in deutsch untertitelter Fassung, hinterfragt die Entstehung von Mythen und stellt auch die Parteilichkeit historischer Überlieferung zur Diskussion.
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